In der Geschichte des Essener Karnevals ist 1928 ein denkwürdiges Jahr. Damals gab es zum ersten Mal einen großen Rosenmontagszug aller Essener Gesellschaften. Und Essen hatte erstmals einen Prinzen Karneval.

Aber der hatte keine Leibgarde. So rief Jean Offermann, den es beruflich von Köln nach Essen verschlug, Präsident der "Essener Bürger-Karnevalsgesellschaft 1909", ein Offizierkorps ins Leben: die "Prinzengarde".

Seit 90 Jahren nun ist die ESSENER PRINZENGARDE ein unverwechselbarer Begriff im Essener Karneval.

Der Karneval steht im Kalender, er ist so eine Art fünfte Jahreszeit. Und doch ist der Karneval kein Naturereignis, denn manches, was in den tollen Tagen geschieht, ist von langer Hand geplant. Der Karneval ist nämlich immer auch ein Stück Vereinsleben, er ist eine Sache aller Mitglieder. Denn das, was die einen im Vorstand planen, läßt sich eben nur verwirklichen, wenn die anderen mitziehen, mitmachen. So ist denn diese kleine Geschichte der ESSENER PRINZENGARDE gleichzeitig auch eine Danksagung an die vielen hundert Mitglieder, die der ESSENER PRINZENGARDE seit ihrem Bestehen angehörten oder noch angehören.

Essens Karneval hat Tradition in den Stadtteilen beiderseits der Ruhr. Aber auch an der Berne, für Zugereiste: das ist jener längst vergessene und ganz im Untergrund der Stadt verschwundene kleine Fluß, an dem das alte Essen lag, gedieh schon im 19. Jh. der Karneval. Allerdings längst nicht so überschäumend wie in den rheinischen Nachbarstädten. Es waren dann auch Zugereiste aus dem Rheinland, die in der Altstadt Essens den Karneval so recht in Schwung brachten. Gemeint sind jene Reichsbahner aus Köln, die 1895 an die neue Reichsbahndirektion Essen versetzt wurden. Sie mochten den Kölner Karneval nicht missen.

Ein verständliches Verlangen, zumal sie sich in Essen ja weiterhin auf rheinischem Boden befanden.

Der Karneval der Essener Altstadt wurde um die Jahrhundertwende repräsentiert durch die "Essener Karnevalsgesellschaft". Gereon Schiller war ihr aktiver Präsident. Er stellte den Essener Karneval auf kräftige Narrenbeine. Gefeiert wurde im Saalbau, der damals noch ein Holzbau war. 1905 wurde er durch einen Neubau, der der Stolz aller Essener war, ersetzt. Essens Narren hatten jetzt ihre Hochburg.

1909 hatte sich die "Große Essener" aufgelöst und an ihre Stelle trat die "Essener Bürger-Karnevalsgesellschaft". Ihr erster Präsident: Rudi Burghardt.

Es sollten noch Jahre vergehen, bis Essen endlich einen großen Rosenmontagszug bekam. Für das närrische Volk ist er der Höhepunkt. Der Karneval beherrscht die Straßen, 1928 war es in Essen soweit. Ein Zug, ein Prinz, aber keine Leibgarde für "Seine Tollität". Die Bürger-Karnevalisten sorgten für Abhilfe. Jean Offermann rief, und es meldeten sich viele Freiwillige. Der erste Kommandant der neuen Prinzengarde war Willi Baumeister.

Schwere Zeiten 1928. Wirtschaftskrise. Die "Essener Bürger-Karnevalsgesellschaft" löst sich auf. An ihre Stelle tritt als selbständige Karnevalsgesellschaft die ESSENER PRINZENGARDE.

Der erste Präsident: Barthel Schmitz, der neue Kommandant: Georges Roth.

Die unruhigen Zeiten übertrugen sich auch auf das karnevalistische Leben.1934 wurde Willi Webels Präsident. Die Prinzengarde gedieh. Willi Webels und Otto Schlosser, der damalige Geschäftsführer, arbeiteten Hand in Hand. In der Session 1935/36 hatte die ESSENER PRINZENGARDE erstmals einen Elferrat. Die Zahl der Mitglieder wuchs wieder.

Ein großer Karnevalist unserer Gesellschaft aus jenen Tagen verstarb im Frühjahr 2000: Henk Schäfer.

Auch für die ESSENER PRINZENGARDE fing 1945 alles noch einmal von vorne an.

Essen war eine total zerstörte, vom Krieg fast gelähmte Stadt. Aber man war noch einmal davon gekommen. Willi Webels, der schon 1934 einen Neubeginn hatte steuern müssen, übernahm wieder das Amt des Präsidenten. Der Glanz der Prinzengarde war zwar dahin, keine Uniformen, keine Requisiten, aber der karnevalistische Geist lebte weiter.

Auch der Saalbau war zerbombt. Und in den nächsten Jahren mußte die ESSENER PRINZENGARDE in den "Weinstuben" am Burgplatz ihre Sitzungen abhalten. 15 Jahre, bis 1949, blieb Willi Webels im Amt. Am 11.11.1949 überreichte er seinem Nachfolger Robert Lind die Präsidentenmütze und die Ordenskette.
Robert Lind war, wie die ESSENER PRINZENGARDE bald spürte, der rechte Mann auf dem rechten Platz. Ein Vollblutkarnevalist, dessen volkstümlicher Humor sich auf jede Sitzung übertrug. Schon 1950 entstand ein neues Offiziers- und Grenadierkorps. Kommandant: Henk Schäfer.

Inge Wöske war ein schmuckes Prinzenmariechen, das erste weibliche der Prinzengarde. Im Jahre 1953 kam ein Amazonenkorps bestehend aus 11 jungen Essener Mädchen hinzu.
Nach Abschluß der Session 1955/56 legte Robert Lind sein Amt nieder. Sein Nachfolger wurde Hermann Forst. Nach dem Ausscheiden von Hermann Forst übernahm Walter Bießmann in der Session 1964/65 das Präsidium.

In der Mitte der sechziger Jahre gewann der Essener Karneval eine neue Dimension. 1966 wurde Wolfgang Bierwirth Präsident der ESSENER PRINZENGARDE. Es war nicht so sehr sein rheinisches Temperament, als vielmehr seine Erkenntnis, daß der moderne Karneval ein kluges Management braucht, was Bierwirth zu einem der erfolgreichsten Präsidenten der ESSENER PRINZENGARDE werden ließ.


Wolfgang Bierwirth sah den Essener Karneval nicht lokal, sondern international.

Unter dem Motto "Wenn Narren reisen" zog Wolfgang Bierwirth 1969 mit einer großen närrischen Expedition von der Ruhr in die Mainzer Karnevalshochburg.
1971 dann eine nicht weniger eindrucksvolle Auslandsreise der Prinzengarde nach Kanada. Bierwirth verpflichtete Tanzgruppen aus dem In- und Ausland, holte närrische Stars aus Köln, Düsseldorf und Mainz nach Essen.

Auch der Ehrensenatorenball der ESSENER PRINZENGARDE fing einmal klein an, er entwickelte sich für lange Jahre zu einem der Höhepunkte der Essener Ballsaison und war damit mehr als nur ein Termin im Karneval. In Wolfgang Bierwirth hatte die ESSENER PRINZENGARDE elf Jahre lang einen ideenreichen, überzeugenden Präsidenten, der den Saalkarneval neu belebte und das Selbstbewußtsein der Essener Narren stärkte.

Es folgten die Präsidenten Wolfgang Döring und Helmut Pippert.

1987 wurde Friedhelm Teckentrup Präsident der ESSENER PRINZENGARDE. Dieses Amt bekleidete er mit großem Engagement bis zu seinem Tode im Dezember 1999. Die ESSENER PRINZENGARDE verlor eine Persönlichkeit, die für den Essener Karneval gelebt hat. Seit 1959 war er aktives Mitglied unserer Gesellschaft. Gleichzeitig hatte Friedhelm Teckentrup das Amt des Generalhofmarschalls übernommen. Er trug die Verantwortung für die Betreuung der Prinzenpaare und hatte für einen reibungslosen Ablauf und die Koordination der Prinzenpaar-Termine zu sorgen.

Friedhelm Teckentrup und Helmut Kleinmann wurden am 6. Februar 1999 für Ihre 40-jährige Mitgliedschaft durch den Vorstand mit dem Ehrenorden der ESSENER PRINZENGARDE ausgezeichnet. Anläßlich dieser Gratulationscour waren alle Essener Karnevalsvereine mit einer Abordnung vertreten.

Nach dem Tod von Friedhelm Teckentrup übernahm Wilhelm Tüller das Amt des Präsidenten. Anlässlich der Jahreshauptversammlung am 28.9.2000 wurde der damalige amtierende Prinz Markus I. Lehwald einstimmig von den Mitgliedern unserer Gesellschaft zum Präsidenten gewählt. Ihm folgten im Jahr 2003 der stadtbekannte Kabarettist Thomas Glup und im Jahr 2004 Ulrich Bohn. Im Jahr 2007 schließlich wurde der seinerzeit amtierende Prinz Jürgen I. Lingemann zum Präsidenten gewählt.

Die Essener Prinzengarde brachte inzwischen viele Stadtprinzenpaare hervor, die unsere Gesellschaft und den Karneval hervorragend präsentierten.
In der Jubiläumssession 2003 stellte die ESSENER PRINZENGARDE das Kinderstadtprinzenpaar.


Im Jahr 2008 feierte die ESSENER PRINZENGARDE im voll besetzten Saal von St. Elisabeth in Essen-Frohnhausen ihr 80 - jähriges Jubiläum. Zu diesem feierlichen Anlass konnten viele Abordnungen aus Nah und Fern begrüßt werden.


Von heute aus gesehen sind das Erfolgsdaten in unserer Vereinsgeschichte, aber so selbstverständlich, wie sich das liest, ist das alles nicht gewesen.


Wir danken allen Freunden und Gönnern der ESSENER PRINZENGARDE für ihre Unterstützung.


Mit einem 3-fachen "Helau"
Ihre


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